Nahe der Natur

Mitmach-Museum für Naturschutz

Friedforst-Straße Nein !

Dieses ist eine aktuelle Sonderseite von "Nahe der Natur" zu einer "Friedforst"-Planung der Ortsgemeinde Staudernheim, die vor allem über eine geplante zuführende Straße die Natur (europäisches Schutzgebiet Natura 2000: FFH- und Vogelschutzgebiet) und das etablierte Naturschutz-Museum 'Nahe der Natur' erheblich beeinträchtigen würde. Das darf nicht sein!

Wir bieten transparente Information zu einem Konflikt, der modellhaft für so Vieles im Naturschutz steht - und gelöst werden könnte. Wir engagieren uns für die Natur und verträgliche Lösungen gleichermaßen, verteidigen aber gezwungenermaßen auch unser einzigartiges Museum und Natur in ihren Werten für die Allgemeinheit.


Friedforst-Strassen-Planung Staudernheim und Problemlagen

Bild - Kartenskizze: Planungsübersicht und wichtigste Problemlagen der Friedforst-Zuwegung.


Die Planung und Rahmendaten - Bedrohung von Natur und Museum

Eine Waldbegräbnisstätte namens "Friedforst", die woanders durchaus wunderbar sein kann, wird hier leider an der völlig falschen Stelle mitten im ruhigen Natura2000-Schutzgebiet und fernab von vernünftigen Zuwegungen geplant. Größenordnung sind zwar "nur" 3,5 Hektar im 'Jungenwald' auf dem abgelegenen Waldplateau südwestlich von Staudernheim, worauf aber mindestens 2400 Grabstellen umgehend möglich sind; spätere Erweiterungen nicht ausgeschlossen.

Dieser Friedforst ist kein reiner lokaler Service, sondern dient der Gewinnerzielung und ist daher auf großregionalen Einzug ausgerichtet. Dafür hat die Gemeinde extra eine vollständig gemeindeeigene 'Anstalt öffentlichen Rechts' (AÖR) als Wirtschaftsbetrieb gegründet, die zudem Personalstellen für sie selbst finanzieren soll. 100 Bestattungen/Jahr und mehr sind möglich, ja mittelfristig sogar nötig, wenn ausreichend Einnahmen erzielt werden sollen.

Die derzeit geplante Zuwegung (Straße) möchte einen bestehenden ruhigen, schmalen und wenig befahrenen Wirtschaftsweg nutzen (Skizze oben, Fotoeindruck unten) und partiell ausbauen. Die Straße würde hier an sensibler Stelle fast 2 km lang mitten durch das verkehrsarme unzerschnittene Schutzgebiet verlaufen und Autoverkehr neu anziehen. Zudem würde sie das betont stille Naturrefugium des Museums direkt anschneiden und verlärmen. Außerdem sind auch zahlreiche Anwohner und Kindergarten/Schule betroffen (Kartenskizze oben).

Der zu erwartende Verkehr wird mit hoher Wahrscheinlichkeit speziell für diese sensible Natur-Stelle, ein hochwertiger Biotopkomplex aus wertvollen FFH-Lebensräumen und sensiblen Tierarten, zu hoch sein. Was für eine Landstraße noch schön gering wäre, ist hier bei dieser speziellen Situation in einem der letzten stillen unzerschnittenen Räume entlang des Nahetals sicher schlecht, nachdem heute hier nur wenige verträgliche Bewirtschafter- und Anliegerfahrten anfallen. Zusätzlich zur wahrscheinlichen Gefährdung von Lebensräumen und Tieren durch Straßenverkehr würde auch die Hauptattraktion Naturruhe / Stille-Bildung des Museums durch zu viele Durchgangsfahrten stark beeinträchtigt werden. Insgesamt für uns existenzgefährdend!

- Mehr Verkehr ist doch vorteilhaft für ein Museum, so könnte man meinen? - Nein: Mehr Autoverkehr ist für uns im Gegensatz zu manchen Straßencafés sicher NICHT vorteilhaft, weil wir vor allem einzigartige hochwertige Naturruhe-Programme anbieten, wegen der die Mehrzahl der Besucher zu uns kommt und die das wirtschaftliche Rückrad bilden. Uns kann man gut als Gast erreichen ohne zu zerstören (gewisse Sackgassen-Situation, Ortsrandlage). Unsere Lage und die Natur-Ruhe hier ist ganz besonders und wurde lange vorher sorgsam mit Gemeinde Staudernheim, Verbandsgemeinde Bad Sobernheim und Kreisverwaltung Bad Kreuznach abgestimmt, bevor das Museum mit seinem entsprechendem Betrieb gegründet wurde, nun aber darauf angewiesen ist - und eigentlich auch durch Naturschutzrecht (Natura 2000) beschützt sein sollte.


Natura 2000 rund ums Museum

Bild: Natura 2000-Eindrücke im stillen Tälchen hinter dem Museumsgelände 'Nahe der Natur'. Der stille Wirtschaftsweg im sonst unzerschnittenen Gebiet soll als Verkehrzuwegung für öffentlichen Autoverkehr entwickelt werden - ein hier unverträglicher Eingriff/Verkehr droht.


Unverträglichkeit und grundsätzliche Alternativen-Lösungen

Die jetzt geplante Zuwegung ist nach unserer Faktenlage gemäß Naturschutzrecht "ffh-unverträglich" (viele Details / Fakten bei uns) und zudem substanzgefährdend für unseren besonderen Museumsbetrieb. Von der Planung wird aber derzeit (noch) nicht abgelassen; es wurde sogar bisher versucht, Beeinträchtigungen zu ignorieren oder zu verharmlosen.

Die Gemeinde und zuständige mit ihr verwobene Stellen (Planer und manche Behördenteile) versuchen die Planung derzeit weiter gegen uns und unsere Natur unbedingt durchzubringen. Dabei gäbe es verträglichere räumliche Alternativen für das "Friedforst"-Projekt und gerade auch die Zuwegung:

Mit Blick auf die Karte (oben) und erst recht nach Ortskenntnis wird erkennbar, dass es mehrere problemärmere Zuwegungen von Osten her gäbe. Auch eine Lageverschiebung des Friedforstes nach Osten oder gar an ganz andere Stellen wäre sinnvoll und würde Probleme entschärfen. Eine bessere Verkehrsanbindung ohne quer durch Schutzgebiete zu fahren ist der entscheidende Punkt. Und nicht zuletzt muss die Frage gestellt werden, ob Staudernheim wirklich einen eigenen "Friedwald" (Waldbestattung) braucht, nachdem es in der Umgebung schon einige solcher Einrichtungen mit ganz vielen freien Plätzen gibt; auch der bestehende Gemeindefriedhof ist nur zur Hälfte belegt und könnte naturnäher gestaltet werden.

Diese (Zer)störung wäre also vermeidbar. Und die jetzt gewählte Straßenzuwegung geht überhaupt nicht!

Damit steht und fällt für uns auch die Glaubwürdigkeit von Natura 2000, die - bei mancher Flexibilität - solche erhebliche Beinträchtigungen doch gerade ausschließen sollte.


Ruhe-Symbolik des Naturschutzmuseums gegen Straßen!

Bild: Die Naturruhe samt Wildnis im Museumsgelände ist eine Besonderheit, die wertschöpfend trägt. Durchgangsverkehr zu einem Friedforst an dieser Stelle würde das existenziell gefährden.


Überregionaler Modellcharakter des Falles

Die ganze Planung ist geradezu modellhaft für Probleme und Chancen im aktuellen Naturschutz - und auch für Natura 2000:

Wie so häufig wird ein eigentlich schönes und interessantes Projekt (Waldbegräbnisse - letzte Ruhe naturverbunden, ein Wunsch vieler Menschen) an einer völlig falschen Stelle geplant, weshalb überhaupt erst Probleme entstehen, anstatt großräumig koordiniert die besseren Stellen zu wählen (auch gemeindeübergreifend) und auch zu überlegen, ob das schon bestehende entsprechende Angebot nicht bereits ausreicht.

Von vielen denkbaren und möglichen Lage- und Zuwegungs-Alternativen wird ausgerechnet diejenige gewählt, die am meisten Probleme macht und nur scheinbar die kurzfristig billigste ist, in Wahrheit aber die verlustreichste für Alle darstellt, weil sie das  Museum als eine Attraktion des Ortes und als erfolgreiches modellhaftes Naturschutzprojekt (zer)stört.

Ist es aber nicht generell eine falsche Lagewahl und Planung, eine "Sturheit" und der mangelnder Korrekturwille in vielen Projekten sogar weltweit, die in der Summe unnötig immer mehr Natur unnötig zerstört? - Da haben wir also einen solchen typischen Fall. Die allgemeine Formel von Naturzerstörung?

Setzen wir lieber Formen und Formeln der Naturerhaltung entgegen: Wir versuch(t)en seit 2015 den Dialog mit der planenden Gemeinde, der wir mit dem Museum eigentlich Gutes tun wollen. Dabei zeigen wir immer auch die Alternativen auf, um Friedforst und dieses besondere Museum im gleichen (Groß)Raum doch beide zu ermöglichen. Der Dialog gestaltet sich aber als schwierig, weil die Gemeinde an dieser einen Zuwegung fest hält. Typisch Naturzerstörung - typisch Naturschutz !?


Natura 2000 - Modell zum (Er)Leben !?

Naturschutz und Natura 2000 sind eigentlich keine reinen Verhinderungsinstrumente. Wir verstehen zwar Naturschutz als wichtige Lebensgrundlage, die ernst genommen werden muss. Aber es gibt auch oft Gestaltungsspielräume und manche Kompromisse. Wenn aber, wie derzeit hier, unnötig und teils ignorant substanzielle Bereiche bedroht werden, muss Naturschutz gerade so etwas verhindern. Natura 2000 bietet dazu durchaus den passenden Rahmen.

Das Museum setzt das großartige europäische Natura 2000-Gebiet schützend mit in Wert und macht es für Menschen sanft erlebbar, gleichzeitig sollte das Museum durch das Natura 2000-Gebiet vor erheblichen Beeinträchtigungen wie eine solche Verkehrszuwegung selbst geschützt sein.

Wir 'Nahe der Natur' sind somit ein Naturschutzmodell in europäischem Zusammenhang - mit all seinen seltsamen Abgründen wie diesem Fall, so wie sie im Naturschutz (leider) manchmal an vielen Orten vorkommen. Vor allem aber stehen bei uns die positiven Visionen und Lösungsansätze im Vordergrund: ein innovativer, freudvoller und kreativer Naturschutzes gegen so manche Gier auf vermeintlich schnelles Geld und Engstirnigkeiten unserer Zeit:

Modellhaft Mut Machen ! Verhindern, was verhindert werden muss. Und offen gestalten, was gestaltbar ist.


Ruhewiese

Bild: Die Ruhe- und Aussichtswiese des Museums würde durch die geplante Straße angeschnitten - und verlärmt. Substanzgefährdend für uns und einige Schmetterlinge, die auf die Wiesenböschung mit angewiesen sind und die modellhaft als Kleinhabitat gestaltet ist.


Aktuell: Der Verfahrensstand

Stand 31. August 2018:

Die konkrete Planung wird über einen Bebauungsplan (B-Plan) der Ortsgemeinde Staudernheim voran getrieben. Verbandsgemeinde und Kreisverwaltung sind an verschiedenen Stellen involviert. In einer ersten Offenlage des B-Planes im März 2017 formulierten einige Stellen, Personen, Behörden und Naturschutzverbände ihre Bedenken; auch wir als Museum begründeten ausführlich unseren Widerspruch - verbunden immer mit Lösungsvorschlägen, aber auch der klaren Feststellung, dass diese derzeit geplante Zuwegung nur bei ganz wenig Mehrverkehr verträglich wäre, ansonsten aber bei dem eigentlich logisch erwartbarem erheblichem Neuverkehr gar nicht geht, aber auch das ganze Friedforstvorhaben hier kritisch zu sehen ist.

Am 20. Juni 2018 ließ die Gemeinde Staudernheim nach über einem Jahr alle Bedenken gutachterlich wegwägen und hat eine überarbeitete Planung vorgelegt, die aber aus gleichen Gründen wie oben dargelegt mindestens genauso problematisch ist und in die zweite Offenlage gehen sollte. Die tatsächliche Offenalge verzögert sich aber derzeit auf noch unbestimmte Zeit, weil gemeindeintern noch Dinge geklärt werden sollt. Wenn die neuen Planunterlagen veröffentlicht werden, kann sie ein jeder Interessierte auch online einsehen und seine begründete Bedenken äußern. Auf Anfrage erläutern und beraten wir dazu gerne. - Kontakt auch via uns - wir verlinken dann hier.

Darüber wird dann die Ortsgemeinde irgendwann erneut irgendwann abstimmen. Bei erneutem Durchwinken der Planung besteht Klagemöglichkeit und es droht ein aufwendiges juristisches Verfahren für alle Seiten. Damit müssen wir derzeit weiter rechnen und sind leidvoll vorbereitet.

Am 30. August wurde gegen unsere Einwände die Friedforstfläche und Zuwegung im Flächennutzungssplan (FNP) der Verbandsgemeinde Bad Sobernheim beschlossen. Das bedauern wir zutiefst, weil die Entscheidung auch auf Falschdarstellungen aufbaut. Entscheidend wird aber das B-Plan-Verfahren sein.

Tendenz:

Die Gemeinde betont dagegen leider mündlich nach wie vor, unbedingt an dieser Straßenplanung festhalten zu wollen, was für uns unverständlich ist. Es deudet sich mehr denn je ein offener Konflikt an, den wir tragisch finden: Unsere Existenz und Beeinträchtigung von Natur und Museum gegen die "sturen" Planungswünsche der Ortsgemeinde. Einen solchen Konflikt wollen wir nicht, müssen ihn aber wohl annehmen.

Wichtig zu wissen: Entschieden ist noch gar nichts. Der Friedforst an sich ist noch längst nicht genehmigt. Verträglichere Alternativen, die auch wir einbringen, werden bisher zwar von der Gemeinde abgelehnt, sind aber auch noch möglich. Und auch die AÖR und andere Vorarbeiten können prinzipiell rückabgewickelt werden.

Auch der Ortsgemeinderat Staudernheim in seiner Planungshoheit kann so frei sein, zukünftig zum Gesamtprojekt neu abzustimmen und sich klug zu korrigieren. Denn es besteht keine Zwangsläufigkeit angesichts früherer Beschlüsse. Wir zitieren an dieser Stelle anregend Berthold Brecht: "Wer A sagt, muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war."

Hoffnung Demokratie und Vernunft?


Achtsamkeit und Hoffnung !?

Wir arbeiten stets friedlich, transparent und kooperativ - und hoffen auf vernünftige Umkehr der Gemeinde. Wir möchten für die Öffentlichkeit Gutes bewirken, auch für unsere Gemeinde Staudernheim. Dass wir Museum und Natur ausgerechnet vor ihr verteidigen müssen, halten wir für tragisch, traurig und ein großes Missverständnis. Wir werden gerade deshalb weiter positiv mit den Menschen sprechen und sie zu uns einladen - in die (noch) ruhige Attraktion 'Nahe der Natur' - solange es uns geben darf.

Auch im zuständigen Gemeinderat sitzen lauter liebe Menschen, die Gutes tun wollen. Das würdigen wir ausdrücklich. Es war (und ist) nicht deren böse Absicht, Natur und Museum zu zerstören. Allerdings wäre die Folge ihres Handelns leider gerade das. So werden wir nicht müde, zu informieren, Missverständnisse aufzuklären und mit Allen respektvoll und konstruktiv zu reden, wann immer es sinnvolle Gelegenheiten gibt. Allerdings sind dafür von deren Seite vielleicht noch mehr Achtsamkeit, Respekt, ein Problembewusssein für Menge und Wirkung von Verkehr, sowie ein Verständnis für die besondere Natur und Ruhe hier nötig.

Wir informieren hier an dieser Stelle umgehend, wenn es einen neuen Stand gibt.


Material, Vertiefungen und Links

  • Wir stehen gerne für tiefer gehende Auskünfte bereit und sind für alle Lösungsideen, aber auch Zuspruch und Unterstützung offen: Ursula Altmoos, Nahe der Natur-Museum: info@nahe-natur.com / Ruf 06751-8576370.
  • Bei uns gibt es zur Einsicht eine ausführliche fachliche Stellungnahme gegen die Friedforst-Strasse - und mit Alternativen - volle Transparenz!
  • Der Naturschutzverband POLLICHIA hat einen Artikel von Michael Altmoos vom Museum veröffentlicht, der gerade das überegionale Modellhafte dieses Falles im Naturschutz samt Lösungshoffnungen herausarbeitet: "Modell unserer Zeit - Natura 2000: Von Gemeinden verscherbelt oder von uns gerettet? Der Fall Friedforst-Straße Staudernheim". - Link Pollichia-Kurier 4/2017 (pdf), darin Seite 27-29.

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